Menü
Gastautor

Erfolgreiches Ideenmanagement beim Schreiben. Teil 1

Jeder Roman lebt von einer Vielzahl an Ideen – von den großen Geistesblitzen, die sein Thema vorgeben, und den hunderten kleinen Ideen, die ihm erst das Leben einhauchen. Ideen-Glühwürmchen nennt Autorin Susanne Melde sie liebevoll, und erklärt, wie erfolgreiches Ideenmanagement beim Schreiben funktioniert.

Header: Erfolgreiches Ideenmanagement beim Schreiben

Wenn ich mit dem Schreiben beginne, weiß ich, welche Geschichte ich erzählen möchte. Probleme treten häufig erst auf, wenn ich mit Hilfe von Kreativität und viel Mühe aus dem groben Gerüst ein detailreiches Romanwerk schaffen möchte.Damit sich der Roman nicht in eine Bauruine verwandelt, müssen nämlich kontinuierlich Ideen her. Am Beispiel der Arbeit für meinen Krimi „Der Täter in der Falle“ zeige ich euch, mit welchen Strategien ich meine Ideen-Glühwürmchen hervorgelockt habe.

Bewegung

Ich kann am besten denken, wenn ich mich bewege. Schon zu Schulzeiten bin ich in meinem Zimmer wie ein Raubtier im Käfig auf und ab gelaufen, wenn ich etwas lernen musste. Oft formuliere ich während eines Spazierganges ganze Absätze in meinem Kopf, die ich später in mein Manuskript übernehme. Das ist gleichzeitig ein gutes Gedächtnistraining. Bewegung kann man auch hervorragend mit einem Tapetenwechsel verbinden.

Erfolgreiches Ideenmanagement 1

Tapetenwechsel

Wenn mich eine Schreibblockade plagt und einfach kein Glühwürmchen am Horizont auftauchen will, dann suche ich mir neue Horizonte. Ich besuche Museen, oder fahre in die Natur. Unterwegs habe ich immer mein Notizbuch dabei. Für meinen Krimi hat mir übrigens ein Besuch der Gedenkstätte Bautzner Straße, einer ehemaligen Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit in Dresden, viele Ideen geliefert.

„Sein Rücken schmerzte vom Liegen auf der harten Holzpritsche. Die Hände waren eiskalt. Die Schlafordnung besagte, dass Gesicht und Hände unbedeckt zu bleiben sind. 23/1 konnte nicht schlafen.“ (aus Der Täter in der Falle)

Lesen

Lesen ist nicht nur eine sehr gute Möglichkeit, sich schriftstellerisch weiterzuentwickeln, indem man die handwerklichen Kniffe anderer Autoren studiert, sondern es regt auch die eigene Fantasie an. Als junges Mädchen habe ich gelesene Geschichten einfach weitergesponnen: Da flüchtete Schneewittchen nach dem ersten Ehekrach erneut zu den sieben Zwergen und wurde von einem feschen Wandersmann in Gewissensnöte gebracht. Inzwischen motiviert mich Lesen, meine Geschichten zu Papier zu bringen.

Story Cubes

Ich habe zu Hause ein Würfelspiel, das aus neun Würfeln mit verschiedenen Bildern besteht. Nach dem Werfen soll eine Geschichte erzählt werden, die alle Motive auf den Würfeln einschließt. Für mich ist das eine sehr gute Möglichkeit, die Kreativität zu steigern.

Zuhören

Es mag banal klingen, doch es kann unheimlich inspirierend sein, den Erzählungen von anderen aufmerksam zuzuhören. Die Idee, den Raub des Sophienschatzes in meinen Krimi zu integrieren, kam mir, als ein Bekannter von einer Dokumentation über den Raub berichtete.

Recherche

Es ist mir wichtig, realitätsnahe und glaubwürdige Krimis zu schreiben. Ich recherchiere daher sehr viel. Recherche hat zudem den Vorteil, dass man Informationen sammelt, die (behutsam!) in den Text einfließen können. Ich besitze sogar ein dickes Kriminalistik-Fachbuch.

„Auf Martins fragenden Blick hin, erklärte Dr. Rose, dass ein Körperspender haltbar gemacht wurde, indem man das Gefäßsystem mit einer Fixierflüssigkeit durchspülte. Der Vorgang tötete Erreger ab und stoppte den Verwesungsprozess. Die sterblichen Überreste konnten so mehrere Jahre aufbewahrt werden.“ (aus Der Täter in der Falle)

Lokalkolorit

Für einen Regionalkrimi ist Lokalkolorit natürlich unabdingbar und eine wunderbare Möglichkeit, Atmosphäre zu transportieren. Doch auch in anderen Genres kann es meines Erachtens nie schaden, sich intensiv mit dem Ort des Geschehens auseinanderzusetzen, denn jeder Ort erzählt seine eigene Geschichte.

„Die Luft flimmerte in der Sonne. Seifenblasenkünstler zauberten zerbrechliche Blasen, die glitzernd zum Himmel stiegen, oder an Kinderhänden zerplatzten. Scharen von Touristen tummelten sich auf dem Platz. Bewunderten die Frauenkirche. Knipsten tausende Fotos.“ (aus Der Täter in der Falle)

Erfolgreiches Ideenmanagement 2

Ein Straßencafé in Paris

Oder Dresden, Berlin, Wanne-Eickel … Hauptsache es laufen viele Menschen vorbei. Jeder ist auf seine eigene Weise einzigartig, man muss nur lernen, seinen Blick dafür zu schärfen. Und was ist schöner, als eine heiße Schokolade (mein Favorit) zu genießen, während man gemütlich das Straßenleben beobachtet?

Sinnlichkeit entdecken

Ich meine das nicht im sexuellen Sinne, obwohl eine gute Erotikszene auch eine lustvolle Abwechslung bieten kann. Ich spreche davon, bewusst innezuhalten, um zu ergründen, wie etwas aussieht, klingt, duftet etc. und welche Bilder und Metaphern in einem dadurch geweckt werden.

„Die Bäume leuchteten gelb in der Mittagssonne, bunte Blätter tanzten durch die Luft. Mit goldener Pracht zeigte der Herbsttag die schönste Seite der Jahreszeit und bat zugleich um Vergebung für all die nasskalten Tage, die folgen würden.“ (aus Der Täter in der Falle)

Leider können Ideen so flüchtig sein wie Glühwürmchen – sie blitzen kurz im Dunkeln auf, um sofort wieder davon zu schwirren. Wie ich dann die zahlreichen Glühwürmchen einfange, die ich in meinem Kopf entfesselt habe, verrate ich euch in meinem nächsten Beitrag!


 

Über die AutorinSusanne Melde

Susanne Melde, geboren 1981, lebt mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter in Dresden. Nach dem Studium war sie unter anderem bei einem Bildungsunternehmen und einer Unternehmensberatung für Fabrik- und Logistikplanung tätig. Heute arbeitet sie bei einem Projektträger. Als begeisterte Leseratte schreibt sie seit vielen Jahren auch eigene Geschichten. “Der Täter in der Falle” ist ihr erster Kriminalroman. Zur Zeit schreibt sie am zweiten Teil der Reihe um die Ermittler Martin Singer und Luisa Leuw. Hier geht es zu ihrer Facebook-Seite.

Loading...Loading...

Kommentar verfassen