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Die häufigsten Fehler beim Schreiben – und wie du sie umgehen kannst

Hier soll es nicht um die allseits bekannten frequently asked questions (FAQs) gehen, sondern um frequently made mistakes – die häufigsten Fehler, die sich beim Schreiben eines Buches einschleichen. Schnitzer, die jedem und jeder passieren können, auch Erfolgsautoren, die du aber vermeiden kannst, wenn du sie auf dem Schirm hast.

Fehler beim Schreiben

Vom Weg abkommen

1. Charakterstringenz

Oft hast du bereits eine Handlung im Kopf sowie die jeweiligen Figuren. In der Handlung sind Ereignisse und Wendungen notwendig. Auf diese müssen die Figuren reagieren. So weit, so klar. Nun passiert es häufig, dass Autoren so damit beschäftigt sind, die Handlung an den Punkt zu treiben, an den sie gelangen soll, dass sie dabei vergessen, ob das überhaupt mit der Charakterstruktur der Figuren vereinbar ist. Hast du zum Beispiel in einem Krimi eine echt clevere Ermittlerin und diverse Verdächtige, von denen aber nur der tatsächliche Täter ein glaubwürdiges Mordmotiv hat, so wirkt es nicht authentisch, wenn die Ermittlerin erst einmal allen anderen Verdächtigen nachgeht, statt sich gleich an das eindrücklichste Motiv zu heften. So viel Zeit, auch die Nebenfiguren auszugestalten, damit deren Charakterstruktur in die Handlung passt und sie, wie in diesem Beispiel, auch Tatmotive haben, muss unbedingt sein! Sonst kaufen dir deine Leser deine Hauptfigur nicht ab. Oder wenn deine Protagonistin in einer Romance-Geschichte sich mit ihrer besten Freundin streiten soll, um etwas Drama und eine Verzögerung des Happy Ends einzubauen, muss dieser Streit plausibel sein. Ist deine Protagonistin sonst geduldig und everybody’s darling, kannst du sie nicht von jetzt auf gleich ausflippen lassen, um einen Plottwist einzuleiten. Höre stattdessen auf deine Figuren – versetze dich in sie hinein und überlege ganz genau, wie sie in einer bestimmten Situation reagieren würden. Hol dir dabei auch Input von außen, um die Glaubwürdigkeit zu testen. Dann bekommst du ein Gefühl für authentische Charaktere.

2. Perspektivstringenz

In diese Kategorie fällt es auch, deine Figuren etwas sehen oder wissen zu lassen, was sie gar nicht sehen oder wissen können. Das passiert schnell in der Hitze des Gefechts, vielleicht weil du so fieberhaft vor dich hin tippst, dass du nicht merkst, dass das, was gerade hinterm Haus passiert ist, unmöglich in das Sichtfeld deiner Heldin gehören kann. Oder du freust dich so sehr darauf, endlich den Höhepunkt deiner Handlung erreicht zu haben und deine Figur wütend in ein Zimmer stürmen zu lassen, dass du zu beschreiben vergisst, wie sie überhaupt dorthin kommt. Weitere Tipps für die Konstruktion einer schlüssigen Figurenperspektive findest du hier.

Fehler beim Schreiben

3. Kinder als Statisten

Kinder sind nicht immer leicht zu verstehen – die denken eben anders als Erwachsene, und das ist auch gut so. Um fair mit ihnen umgehen zu können, muss man sich auf sie einlassen. Das gilt in Büchern ebenso. Vermeide es also, Kinderfiguren lediglich als Statisten oder reines Handlungselement zu verwenden. Klingt ziemlich fies, würde dir nie passieren? Nun ja, das passiert aber schneller als gedacht. Oft werden Kinder im Plot eher übersehen. Entweder werden sie von Anfang nur am Rande erwähnt und nicht als handelnde Figur eingesetzt, sondern hängen quasi passiv im Roman herum. Oder sie werden als Charaktere relativ ausführlich eingeführt, dann aber vergessen. Ist deine Hauptfigur beispielsweise eine alleinerziehende Mutter, die versucht, Arbeitsleben und Kindererziehung zu vereinen und eine neue Liebe zu finden, darf das Kind nicht plötzlich links liegen gelassen werden, wenn die Romanze zwischen Mutter und neuem Freund beginnt. Passiert etwas Aufregendes, sollte die Reaktion des Kindes mit einbezogen werden. Macht das Kind etwas Dramatisches, muss dies auch Konsequenzen für die Erwachsenen haben. Läuft der Sohn zum Beispiel weg und die Mutter findet ihn wieder, reicht es nicht, den Konflikt mit einem Satz wie „Zum Glück war es noch einmal gutgegangen, Monika konnte zum Alltag zurückkehren.” abzuspeisen. Denn solch eine extreme Tat setzt eine Motivation voraus, die durch das unmittelbare Umfeld des Kindes forciert wurde. Dementsprechend muss dieses Umfeld dann auch darauf reagieren. Bist du dir nicht sicher, wie du das alles unter einen Hut bekommen sollst, lass im Zweifelsfall lieber andere Figur oder einen Handlungsstrang weg und binde dafür das Kind als vollwertigen Protagonisten ein. Das lässt die Hauptfigur gefühlvoller erscheinen, ist authentischer, freut die Mütter unter den Leserinnen besonders und gibt der Story insgesamt Herzlichkeit und Nähe.

Zu viel des Guten

4. Überreiche Sprache

Wir alle neigen dazu, zu viel zu plappern, wenn wir aufgeregt sind oder uns in Details zu verlieren, wenn uns die Erzählung eines bestimmten Ereignisses besonders wichtig ist. Das geschieht auch beim Schreiben. Taste deshalb dein Manuskript auf unnötige Ausschmückungen, übertrieben blumige Metaphern und verschachtelte Sätze ab. Mach aus einem langen Satz, in dem Haupt- und Nebensatz mit einem „und” verbunden sind, lieber zwei kurze Sätze. Nimm bei einer Beschreibung mit drei Adjektiven eines heraus. Such deinen Text mit der Suchfunktion in Word nach Lieblingswörtern ab, die du allzu oft wiederholst und ersetze sie durch andere, damit es für deine Leser nicht eintönig wird.

Fehler beim Schreiben

Wie du sicherlich gemerkt hast, ist Empathie ein entscheidender Faktor beim Schreiben von Büchern. Dich sowohl in deine Charaktere als auch in die Leserinnen und Leser eindenken zu können, zu überlegen, was Erstere in welcher Situation tun würden und ob Letztere ihnen das abkaufen würden. Solange du dir das immer ins Gedächtnis rufst, hast du den richtigen Blick auf deinen Text.

 

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