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Korrektorat oder Lektorat: Wo liegt der Unterschied?

Der Roman ist nach langer Arbeit endlich fertig geschrieben und bevor er publiziert wird, soll er am besten nochmal professionell gegenlesen werden. An dieser Stelle stellen sich viele Autoren die gleiche Frage: Reicht ein Korrektorat oder soll es doch lieber ein Lektorat sein? Und wo genau liegt der Unterschied?

Korrektorat oder Lektorat - wo liegt der Unterschied?

Korrektorat: Textprüfung auf formale Fehler

Das Korrektorat richtet sich auf die formale Verbesserung eines Manuskripts. Ein Korrektor führt die Tätigkeiten aus, die gemeinhin unter dem Begriff „Korrekturlesen“ zusammengefasst werden. Dazu korrigiert er das Manuskript hinsichtlich:

  • Rechtschreibung
  • Grammatik
  • Orthographie
  • Syntax
  • Stil
  • Ausdruck

Ein Korrektor benötigt daher ein gutes Sprachgefühl und einen soliden Umgang mit Texten sowie Kenntnisse der aktuellen Rechtschreib- und Grammatikregeln. Liegt das Manuskript in gedruckter Form vor, so erfolgt die Korrektur direkt auf Papier unter Verwendung der amtlichen Korrekturzeichen nach DIN 16511.

Hat ein Autor das Manuskript digital eingeschickt, so merkt der Korrektor die Fehler direkt in der Datei an. Die gängigen PDF-Reader erlauben das Einfügen von Kommentaren und Microsoft Word bietet beispielsweise einen Korrekturmodus an, mit dem sämtliche Änderungen im Text kenntlich gemacht und einzeln angenommen oder abgelehnt werden können.

Obwohl die meisten Textverarbeitungsprogramme zwar automatische Rechtschreib- oder Grammatikkorrekturen enthalten, ist eine letzte Überprüfung durch einen Menschen in jedem Fall erforderlich. Denn die Programme können den Textsinn nicht erfassen und sind besonders bei Fremdwörtern, Kunstwörtern, Komposita oder komplexen Satzkonstruktionen äußerst fehleranfällig, nur ein Korrektorat kann dies leisten.

Das Korrektorat stellt, so gesehen, die formale Fertigstellung des Manuskripts dar und ist die Grundlage für weitere Bearbeitungsschritte wie Satz, Druck oder E-Book-Veröffentlichung.

Lektorat: Rundum-Betreuung bis zum fertigen Buch

Im Gegensatz zum Korrektorat setzt sich das Lektorat zum Großteil inhaltlich mit dem Manuskript auseinander. In Verlagshäusern ist der Lektor auch für die Suche nach neuen Autoren und die Begutachtung von Manuskripten zuständig, die zur Verlagsausrichtung passen und in das Programm aufgenommen werden sollen. Hat der Verlag einen Autor unter Vertrag genommen, so betreut ihn der Lektor bei der Entwicklung der Romanidee bis zum fertigen Buch.

Lektorat: Rundum-Betreuung bis zum fertigen Buch

Bis Form und Inhalt stimmen

Zunächst wird das Manuskript von inhaltlichen Schwächen bereinigt. Hierfür verdichten Autor und Lektor in enger Zusammenarbeit die Dramaturgie der Geschichte. Sie schließen Handlungslücken, straffen Dialoge und feilen an der Entwicklung und Darstellung der Figuren. Dabei hat der Lektor stets die Vorlieben der Zielgruppe im Blick und kann den Autor dank genauer Marktbeobachtung mit Tipps zur gegenwärtigen Entwicklungen in dem jeweiligen Genre versorgen. Der Lektor merkt zu lange oder redundante Passagen sowie Wiederholungen im Plot an und achtet darauf, dass die Erzählstränge am Ende des Romans zusammengeführt und abgeschlossen werden.

Sollten sprachliche Unstimmigkeiten wie unpassende Metaphern oder Allegorien auftreten, macht der Lektor den Autor darauf aufmerksam und unterbreitet ihm Änderungsvorschläge. In der Regel sind mehrere Lektoratsdurchgänge notwendig, bis die inhaltliche Arbeit am Manuskript abgeschlossen ist.

Neben den inhaltlichen Aspekten übernimmt der Lektor auch formale Aufgaben. Nicht immer sind Lektorat und Korrektorat in einem Buchprojekt voneinander getrennt, so dass das Korrektorat dann auch in das Aufgabenfeld des Lektors fällt. Darüber hinaus achtet er auf eine stimmige Kapiteleinteilung, entwirft Kapitelüberschriften oder schlägt Bilder oder Illustrationen vor, sofern das Buch diese enthalten soll. Dabei ist es von Vorteil, wenn der Autor die Rechte an den Bildern selbst besitzt, ansonsten muss der Verlag die Bildrechte einkaufen. Der Lektor übernimmt dann die Recherche der Bildrechte und koordiniert zudem die Verwendung von Markennamen oder Zitaten aus anderen Büchern sowie die Vergütung an den jeweiligen Urheber. In der Regel ist für derartige Aufgaben nur wenig Budget vorhanden. Daher sollten sich sich Autoren gut überlegen sollten, ob und wenn ja welche Zitate oder Bilder verwendet werden sollen.

Koordination von Buchveröffentlichung und Marketing

Koordination von Buchveröffentlichung und Marketing

Als Schnittstelle zwischen dem Verlag und dem Autor übernimmt das Lektorat auch organisatorische Tätigkeiten. Hierzu gehören unter anderem die Abstimmung der Cover-Gestaltung, Textsetzung sowie Übersetzungen und das Autoren-Portrait. Der Lektor schreibt den Klappentext und Werbetexte sowie Verlagsvorschauen und koordiniert die Presse- und Marketing-Aktivitäten. Da Verlagslektoren in der Regel bestens mit Kritikern, Rezensenten und Literaturveranstaltern vernetzt sind, können sie Autoren besonders bei der Promotion des Buches behilflich sein.

Self-Publisher können diese Aufgaben auch von freien Lektoren übernehmen lassen. Hier laufen jedoch schnell hohe Kosten an und sie begleiten das Buchprojekt meist nicht über die gesamte Dauer. Üblicherweise wird ein freier Lektor nur für die reine inhaltliche oder formale Manuskript-Arbeit hinzugeholt. Beim verlagsbetreuten Publizieren, etwa in den Ullstein-Imprints Forever und Midnight, werden Autoren dagegen umfassend betreut.

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