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Fantastische Zahlen! Maßeinheiten im Fantasy-Genre

Eine Fantasy-Geschichte zu schreiben, ist mit verschiedenen Herausforderungen verbunden. Eine der schlimmsten, denen sich Autorin Xenia Melzer stellen musste, waren die Maßeinheiten. Für Ihren Roman “Casto – Gefährte des Feuers”, dem ersten Teil der Serie “Gods of War”, verbrachte sie viel Zeit mit Rechnen.

Fantastische Zahlen! Über Maßeinheiten im Fantasy-Genre

Fantasy kann schlaflose Nächte verursachen.

Die korrekte Angabe von Maßeinheiten mag für viele wie ein triviales Problem klingen, doch mir hat es für beinahe einen Monat schlaflose Nächte beschert. Als ich mit dem Schreiben von meinem Fantasy-Roman “Casto – Gefährte des Feuers” anfing, und nicht einmal davon träumte, mein Werk eines Tages zu veröffentlichen, benutzte ich einfach das metrische System und amerikanische Meilen in einem bunten Durcheinander. Was immer sich in einer Szene besser anhörte, wurde von mir verwendet. Doch dann fing ich an, die Geschichte für die Präsentation bei einem Verlag herauszuputzen und musste dieses Durcheinander in Ordnung bringen. Mit einem permanenten Link auf eine Umrechnungsseite fing ich an, wie eine Verrückte zu rechnen. Dann stellte ich fest, dass einige der von mir verwendeten Zahlen schlicht und ergreifend zu groß waren, um korrekt zu sein, und das Ganze begann von vorne.

Schreiben vs. Mathematik

Nachdem das Wunder geschehen und mein Manuskript tatsächlich von einem Verlag angenommen worden war, habe ich an die Maße keinen Gedanken mehr verschwendet. Ich war zu sehr damit beschäftigt, mich zu freuen. Dann hat meine Lektorin das Manuskript in die Finger bekommen und die Zahlen standen wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit. Offensichtlich hatte ich einige ziemlich grobe Fehler beim Umrechnen gemacht, was mich natürlich deprimierte. Mir ist durchaus bewusst, dass die Mathematik und ich nie enge Freunde sein werden, ich bin aus gutem Grund Schriftstellerin und keine Ingenieurin, aber ich hatte nicht gedacht, dass es so schlimm ist. Mein Ehemann (der zufällig Ingenieur ist), hatte seinen Spaß, als ich ihm davon erzählte. Nachdem er aufgehört hatte zu lachen (auf sehr liebevolle Weise, wie ich betonen möchte), setzte er sich hin und erfand ein komplettes Maßsystem exklusiv für meine Bücher. Das war unglaublich süß, ging aber auch leider weit über meinen mathematischen Horizont hinaus. Nach ein paar erfolglosen Versuchen, das, was er da zusammengesponnen hatte, zu verstehen, gab ich auf.

Auf dem Pfad zum Wahnsinn

Meine Lektorin versicherte mir, dass es nicht ehrenrührig sei, wenn ich Meilen und Zoll verwendete, aber das fühlte sich einfach nicht richtig an. Nicht für meine geliebte Story (und ja, ich bin ziemlich stur). Am Ende suchte ich im Internet nach einer Lösung. Ich recherchierte mittelalterliche und antike Maßeinheiten, was gleichzeitig lustig und lehrreich war. (Wenn Ihnen an einem regnerischen Sonntagnachmittag einmal langweilig ist, schalten Sie Ihren Laptop an und versuchen sie herauszufinden, was sechs Meter in griechischen Fuß sind. Nutzloses Wissen, das man wahrscheinlich niemals brauchen wird, bekommt so eine ganz neue Bedeutung.

Fantastische Zahlen

Da die griechischen und babylonischen Maßeinheiten in der Umrechnung unglaublich kompliziert waren (ich bin der festen Meinung, es sollte ein Gesetz gegen zu viele Zahlen nach dem Komma geben.), entschied ich mich schließlich für mittelalterliche Systeme, von denen ich einige auch schon in anderen Fantasy-Romanen gesehen hatte. Ich legte eine Liste an. Ich hatte die mittelalterlichen Maße, das metrische System und das amerikanische System. Ich rechnete. Ich überprüfte meine Rechnungen doppelt. Dann warf meine Lektorin einen Blick darauf, hat sich kaputtgelacht und ich habe alles noch einmal gecheckt. Jetzt kann ich voller Stolz behaupten, dass ich ein solides System habe, das hoffentlich nicht zu kompliziert ist, und sich gleichzeitig ‚fantastischer‘ liest, als einfach nur Meilen oder Kilometer.

Für den Bruchteil einer Sekunde habe ich mir überlegt, dasselbe mit der Zeit zu machen. Meine eigenen Zyklen zu erfinden, das volle Programm. Doch ich erkannte rechtzeitig, dass dies der Pfad zum Wahnsinn ist (eine kurze Reise, in meinem Fall), darum habe ich die Idee fallengelassen, bevor sie sich zu sehr in den Vordergrund spielen konnte. Eine Stunde ist eine Stunde. Ganz einfach.

Über die Autorin

Autorin Xenia MelzerXenia Melzers Romandebüt “Casto“, aus der Fantasy-Reihe “Gods of War”, erschien 2016 zunächst auf Englisch beim Dreamspinner Verlag, bevor sie es ins Deutsche übersetzte und bei Forever by Ullstein veröffentlichte. Inspiration beim Schreiben bekommt der selbsternannte Chocoholic dank kakaobasierter Leckereien.

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