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Romanserien: Vor- und Nachteile beim Schreiben

Romanserien erfreuen sich großer Beliebtheit, besonders im Krimi-, Thriller- und Fantasy-Genre. Sie sind nicht zuletzt deshalb so erfolgreich, weil sich Leser kontinuierlich auf neuen Lesestoff freuen und die Schicksale von lieb gewonnenen Charakteren weiterverfolgen können. Welche Serienformen gibt es und welche Vor- und Nachteile haben sie jeweils?

Romanserien

Auch Autoren können vom Serienschreiben profitieren, da sie Raum für umfassendere Handlungen und Charakterdarstellungen haben und ihre Leserschaft ständig mit neuen Informationen anfüttern können. Ist eine Serie bislang gut bei den Lesern angekommen, kann ein Autor damit rechnen, dass die nachfolgenden Bände ebenfalls gelesen werden.

Serien von alleinstehenden Bänden: Beliebtes Format für Krimi und Thriller

Diese Art von Romanserien besteht aus voneinander unabhängigen Bänden mit jeweils einer eigenen in sich abgeschlossenen Handlung. Lediglich die Hauptfigur bleibt in allen Bänden dieselbe. Querverweise zwischen den Bänden können existieren, sind in der Regel aber nicht entscheidend für den jeweiligen Handlungsverlauf. Diese Serienform ist besonders im Krimi- und Thriller-Bereich beliebt und eine Reihe von Klassikern wie Miss Marple (Agatha Christie), Sherlock Holmes (Arthur Conan Doyle), James Bond (Ian Fleming) oder auch die neuere Robert Langdon-Reihe (Dan Brown) sowie die Bodenstein-Kirchhoff-Reihe (Nele Neuhaus) bedienen sich dieses Serienformats.

Vorteile: Klare Erwartungshaltung und leichter Einstieg in die Serie

Wenn ein Leser bereits einen Band einer Reihe gelesen hat, weiß er zu einem gewissen Grad, was ihn erwartet. Bereits mit der Hauptfigur vertraut, kann er sich ohne lange Eingewöhnung auf das neue Abenteuer einlassen. Umgekehrt weiß auch der Autor, was den Lesern gefällt und kann sich an eine gewisse Richtlinie halten, aber auch bewusst von ihr abweichen. Die Romane können unabhängig voneinander gelesen werden, wodurch Leser einen leichten Einstieg in die Serie finden, da gleich mit der Lektüre des neuesten Bandes begonnen werden kann. Ebenso kann ein Band auch ausgelassen werden.

Nachteile: Weniger Raum für Heldenentwicklung

Eine Romanserie, die aus in sich abgeschlossenen Bänden besteht, birgt indes auch Nachteile. Von Anfang an ist klar, dass der Held überleben und der Konflikt am Ende gelöst wird, wodurch ein Roman Gefahr läuft, vorhersagbar zu werden. Dem Autor bleiben weniger Möglichkeiten, um seine Figuren zu entwickeln. Im Krimi-Genre etwa wird die Figurenentwicklung oft auf eine private Ebene verlagert, die nicht immer im Zusammenhang mit dem Fall steht. Ein Beispiel hierfür ist die Franz Eberhofer-Reihe von Rita Falk. Hier verändern sich der Protagonist und sein privates Umfelds ständig weiter. Dadurch ergibt sich das Problem, dass der Leser die Bände trotz ihres in sich abgeschlossenen Charakters dennoch in der chronologischen Reihenfolge lesen muss, um die privaten Zusammenhänge zu verstehen, die für die jeweiligen Fälle nicht immer relevant sind.

In dieser Art von Romanreihen nimmt der Held mit seinem privaten Umfeld insgesamt eine wichtige Rolle ein: Er bildet das Bindeglied zwischen den Bänden, weshalb ein Autor beim Schreiben einer solchen Serie besonders viel Wert auf die Eigenheiten seiner Hauptfigur legen muss. Sei es schrullig oder liebenswert, der Held muss markant genug sein, um den Leser über mehrere Bände hinweg zu überzeugen. Manchmal nimmt die Charakterdarstellung sogar soviel Raum ein, dass der eigentliche Fall in den Hintergrund rückt.

Ausgewählte Romanserien der Ullstein Buchverlage

Martin Krist: Ein Paul-Kalkbrenner-Thriller (Thriller)

Nele Neuhaus: Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi (Krimi)

Gisela Garnschröder: Ein Steif-und-Kantig-Krimi (Krimi)

Mehr Komplexität durch Bücherserien mit übergreifender Rahmenhandlung

Das Problem statischer Figuren und einer vorhersehbaren Handlung lässt sich dadurch lösen, dass jeder Band einer Romanserie mit einer eigenen Handlungsdramaturgie innerhalb einer romanübergreifenden Gesamthandlung ausgestattet wird. Die Bände können jeweils aus der Perspektive desselben Protagonisten erzählt werden (beispielsweise Harry Potter-Reihe von J.K Rowling) oder eine wechselnde Heldenbesetzung (beispielsweise Das Lied von Eis und Feuer von George R.R. Martin) enthalten.

Vorteile: Erzählerische Freiheiten durch Spiel mit Perspektiven und Chronologie

In diesem Serienformat kann ein Autor die Bände aufeinander aufbauen und eine serienumspannende Gesamthandlung erzählen. Die Aufteilung der Geschichte in mehrere Bände erlaubt es einem Autor zudem, das inhaltliche Potenzial seiner Handlung voll auszuschöpfen, indem er in einer höheren Detaildichte erzählt oder Exkurse und Nebenschauplätze ergründet. Wichtige Handlungsetappen können in einem Band abgeschlossen werden; durch den Einsatz von Cliffhangern kann ein Autor Spannung aufbauen, die Lesererwartung hochhalten und zugleich einen glatten Übergang zum nächsten Roman schaffen.

Der Verzicht auf eine durchgehende Hauptfigur schafft erzählerische Reize. Nicht nur kann die Hauptfigur eines Bandes sterben oder verschwinden und in einem anderen Band als Nebenfigur erneut auftauchen, Ereignisse lassen sich so auch parallel aus verschiedenen Perspektiven erzählen. Steven Erikson etwa nutzt in Das Spiel der Götter dieses Prinzip von mehreren Perspektiven, um die Motivationen seiner Figuren einander gegenüberzustellen und vermeintliche Lesersympathien sowie Gut-Böse-Bewertungen zu relativieren.

Ebenso kann es für den Leser reizvoll sein, wenn der Autor keine strikt chronologische Reihenfolge beim Schreiben der Bände einhält. Ein Romanband kann die Chronologie der Serie brechen und an einem früheren oder späteren Zeitpunkt angesiedelt sein. Dadurch kann ein Autor bewusst Lücken in seiner Erzählung schaffen, um sie in einem späteren Band zu schließen.

Nachteile: Höherer Planungsaufwand und wenig einsteigerfreundlich

Dieses Serienformat erfordert vom Autor einen größeren Planungsaufwand, insbesondere dann, wenn mehrere Perspektiven und Zeitsprünge eingebaut werden. Eine gute Übersicht über alle Erzählstränge und Figurenbeschreibungen ist hier vonnöten, um Plot Holes oder Kontinuitätsfehler zu vermeiden. Des Weiteren verlangt diese Erzählform vom Autor eine hohe Selbstdisziplin, damit er bei seiner Rahmenhandlung bleibt und nicht zu Unwichtigkeiten abdriftet. Ein Leser ist gewissermaßen der Laune des Autors ausgesetzt, da dieser die Konfliktlösung prinzipiell ewig aufschieben kann.

Eine fortlaufende Handlung erschwert zudem den Quereinstieg in die Romanserie. Ein Leser kann nicht sofort mit dem neuesten Band einsteigen, sondern muss erst alle zuvor erschienen Bände gelesen haben. Daraus ergibt sich auch das weitere Problem der Lieferbarkeit: Ist einer der älteren Bände nicht mehr im Buchhandel erhältlich, schränkt das den Zuwachs an neuen Lesern ein.

Zuletzt besteht noch das Problem des Zeit- und Leistungsdrucks. Leser und Verlag erwarten die fristgerechte Fertigstellung des neuen Bandes, wodurch die literarische Qualität leiden kann oder ein Autor die Abgabefrist verpasst.

Ausgewählte Romanserien des Ullstein-Verlags

Wolfgang Hohlbein: Die Nemesis-Reihe (Horror)

Patrick O’Brian: Ein Jack-Aubrey-Roman (Historische Romanserie)

Johanna Geiges: Die Medica-Serie (Historische Romanserie)

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