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Eine Serie schreiben – so geht’s! Ein persönlicher Erfahrungsbericht.

Mein Name ist Gisela Garnschröder und ich bin Autorin. Als mir 2014 die Idee zu einem neuen Krimi kam, sollte es unbedingt eine Serie werden. Humorvoll, aber trotzdem spannend. Ich fragte mich, wie ich es schaffe, eine Serie so anzulegen, dass auch weitere Folgen beim Leser gut ankommen? In diesem Artikel erkläre ich meine Herangehensweise und verrate meine persönlichen Tipps und Tricks.

Eine Serie schreiben – so geht’s! Ein persönlicher Erfahrungsbericht.

Wie finde ich starke Figuren mit hohem Wiedererkennungswert?

Zu Beginn des Schreibens mussten starke Figuren mit hohem Wiedererkennungswert geschaffen werden, die über eine lange Zeit authentisch sind und sich gut einprägen. Ich entschied mich für zwei Protagonistinnen, die schon durch ihre Nachnamen eine gewisse Authentizität ausstrahlen. Nun musste ich mir noch überlegen, wer denn diese Figuren verkörpern sollte. Da kam mir der Zufall zu Hilfe. Meine Tochter regte sich über eine Lehrerin auf, die ihr Sohn in Englisch hatte: „Kein Einfühlungsvermögen hat diese Frau, sie ist nur steif und streng.“

Schon war die Figur Isabella Steif geboren. Lehrerin, blond, blauäugig, sportlich und schlank, sehr streng, sehr genau und immer überkorrekt.
So eine Frau braucht eine Schwester, die trotz aller Unterschiede immer zu ihr hält. Da ich den Vornamen meiner Mutter so schön fand, nannte ich sie Charlotte.

Charlotte Kantig ist die jüngere Schwester, auch Lehrerin, aber beliebt, weil sie verständnisvoller und geduldiger ist als Isabella. Sie ist nicht ganz so schlank aber trotzdem sportlich und fit. Im Gegensatz zu ihrer Schwester Isabella ist sie brünett und hat aber ebenfalls blaue Augen.

Da beide für ihre Ermittlungen Zeit haben müssen, habe ich sie in den Vorruhestand geschickt. Charlotte hat schon mit sechzig den Dienst quittiert und Isabella erst mit dreiundsechzig. Um keine Langeweile aufkommen zu lassen, haben sich die beiden Witwen zu Stadtführerinnen ausbilden lassen. Sie kommen viel herum, sind immer im Bilde was in ihrer kleinen Stadt passiert und erfahren Dinge, die der Polizei verborgen bleiben.

Wo und wie sollen meine Figuren wohnen?

Ein Ort mit Wohlfühlcharakter sollte es sein und drumherum eine tolle Gegend, die den Lesern ein Begriff ist. Da ich an der Grenze zum Münsterland wohne, kam für mich nur das Münsterland als Handlungsort infrage, denn dort kenne ich mich aus. Da ich zudem auf einem Bauernhof aufgewachsen bin, habe ich viele Kenntnisse aus dem landwirtschaftlichen Bereich, die ich in meiner Serie verwenden konnte. Aber welchen Ort sollte ich nehmen? Keiner der kleinen Orte war für meine Idee der richtige, also musste ein fiktiver Ort her.

Wo und wie sollen meine Figuren wohnen?

Mein Geburtsort fiel mir ein, und schon hatte ich aus den einzelnen Wortstücken einen vollkommen neuen Ortsnamen gebastelt. Oberherzholz ist nun die Kleinstadt mit den vielen Außenbereichen, die ich für meinen neuen Krimi ins Münsterland verlegt habe.

Nun mussten auch meine beiden Schwestern so untergebracht werden, wie es in den kleinen Orten im Münsterland üblich ist: Im Häuschen mit Garten, idyllisch in einer Siedlung am Rande zwischen Felder und Wäldern gelegen. Damit die Schwestern sich nicht zu viel auf der Pelle liegen, habe ich jeder eine Doppelhaushälfte verpasst.

Die Idee stand, die Hauptprotagonistinnen waren geboren und der Ort war ebenfalls geplant.

Wie sieht das Umfeld meiner Charaktere aus?

Nach und nach nahm meine Serie Struktur an, die Höfe wurden beschrieben, die Polizeistation und die Polizisten, die Nachbarschaft, alles was zu einem Ort dazu gehört, einschließlich Kirche, Schule und viele andere Dinge, die ich hier gar nicht alle aufzählen kann.

Die Grundpfeiler meiner Serie waren geschaffen.

Wie finde ich Ideen für meine Kriminalfälle?

Aber woher sollte ich die Ideen nehmen, die ich zu einer kompletten Geschichte ausarbeiten konnte? Denn schließlich soll meiner Serie nicht schon nach dem ersten Band die Luft ausgehen. Manchmal sind es ganz einfache Dinge, die irgendwo geschehen. Ein ungeklärter Autounfall, ein Sturz von der Leiter oder ein Tod im Feuer. Aber auch eine nette Teezeremonie und eine Pilzbuffet und ein lauter Knall bieten allerhand Ideen für einen Mordfall. Die besten Ideen habe ich, wenn ich mit der Kamera in der Hand durch die Wälder streife. Da ist schon der Jäger mit seinem Hund oder der Klang der Motorsäge für einen neuen Fall gut.

Gisela Garnschröder - Steif und Kantig Reihe

Was nun noch fehlt ist die Recherche.

Was nutzt der Mord im Pferdestall, wenn ich keinen blassen Schimmer habe, welches Pferd ich vor mir habe oder wie man mit dem Tier umgeht?
Also ist gründliche Recherche wichtig!

Ich frage Fachleute oder recherchiere im Internet. Ich gehe in die Ställe der Bauern und schaue mich um. Mache Fotos, z.B. von Windrädern und Biogasanlagen und lasse mich über deren Funktion und Arbeitsweise aufklären. Wenn ich einen Jäger als Täter beschreibe, muss ich mich über Jagdwaffen kundig machen, und auch ein Messer sieht immer anders aus.

So entstand die Serie: „Steif und Kantig“. Im Mai 2017 erschien der fünfte Band mit einem neuen Abenteuer der beiden Münsterländer Schwestern.


Über die Autorin

Garnschröder_Gisela_c_privatGisela Garnschröder ist 1949 in Herzebrock/Ostwestfalen geboren und aufgewachsen auf einem westfälischen Bauernhof. Sie erlangte die Hochschulreife und studierte Betriebswirtschaft. Nach dem Vordiplom entschied sie sich für eine Tätigkeit in einer Justizvollzugsanstalt. Immer war das Schreiben ihre Lieblingsbeschäftigung. Die berufliche Tätigkeit in der Justizvollzugsanstalt brachte den Anstoß zum Kriminalroman. Gisela Garnschröder wohnt in Ostwestfalen, ist verheiratet und hat Kinder und Enkelkinder. Sie ist Mitglied bei der Krimivereinigung Mörderische Schwestern, beim Syndikat und bei DeLiA.

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