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Louisa Pagel

The Trouble with Words. Oder wie man eine Übersetzung redigiert.

Als Lektorin hat man sehr viel mit Wörtern zu tun, keine Überraschung. Aber man hat es auch sehr viel mit falschen, unpassenden, sich wiederholenden, und manchmal wunderschönen Wörtern zu tun. Besonders heikel ist das Geschäft mit den Wörtern bei Übersetzungen. Denn natürlich übersetzt ein Lektor nicht selbst, denn das gehört einfach nicht zum Beruf. Zumal man ja auch nicht immer die Originalsprache spricht, aus der übersetzt wird (auch wenn der Großteil immer noch aus dem englischsprachigen Raum kommt). Jedoch landet die Übersetzung im Anschluss natürlich auf seinem Schreibtisch und die Stimmung schwankt dann beim Redigieren zwischen verzückt, verzweifelt und amüsiert.

The Trouble with Words. Oder wie man eine Übersetzung redigiert.

Bücher zu übersetzen ist eine vertrackte Kunst, die unheimlich viel Feingefühl und Textgespür verlangt. Beides besitzen die meisten Übersetzer, aber es warten trotzdem unheimlich viele Stolpersteine. Wenn ihr also einen Text übersetzen wollt oder eine Übersetzung lektorieren müsst, behaltet folgende Punkte im Hinterkopf:

Verschiedene Bedeutungen: Bold ist nicht nur die Funktion im Schreibprogramm!

Ein Klassiker und Grund warum jeder Satz sowohl einzeln als auch im Zusammenhang betrachtet werden muss. Fast immer gibt es mehr als eine Bedeutung für ein Wort und die korrekte Übersetzung hängt vom Zusammenhang ab. Das weißt natürlich der Übersetzer und achtet darauf. Dennoch bleibt es nicht aus, dass man als Lektor auf das ein oder andere „fett“ trifft, wenn doch eigentlich „mutig“ gemeint ist. Bitte niemals die erstbeste Übersetzung im Wörterbuch nehmen! Danke.

The Trouble with Words. Oder wie man eine Übersetzung redigiert.

Anglizismen: Möchtet ihr „stornieren“ oder „canceln“?

Anglizismen gehören zu einer Entwicklung, die zugleich Fluch und Segen ist! Einerseits ist Deutsch eine schöne Sprache, die ihre eigenen Ausdrücke hat und diese können und sollen doch gerne auch verwendet werden. Aber das moderne Hirn ist schon so sehr daran gewöhnt, mit Anglizismen beworfen zu werden (zehn Minuten Fernsehwerbung reichen aus, um das zu beweisen), so dass die deutschen Äquivalente sich sperrig oder gar falsch anhören. Anglizismen erweitern aber auch unseren Wortschatz und manchmal gibt es keinen passenden Ausdruck auf Deutsch. In Genres wie Sexy Romance und Gay Romance, die ihren Erfolgsweg in den USA angetreten haben und deren deutsche Leser auch immer öfter auf Englisch lesen, gibt es oft Wörter, für die es scheinbar unmöglich ist, eine kompatible Übersetzung zu finden. Jüngstes Beispiel aus dem Forever-Programm: Das sehr umgangssprachliche aber absolut passende Wort „pussy-whipped“ (Liora Blake – True Crush). Was tun? Lassen oder ändern? Schwierig, aber in diesem Fall habe ich mich als Lektorin für eine deutsche Umschreibung entschieden. Allerdings kann man auch immer öfter das englische Original bei einigen Begriffen stehen lassen, da die Leserschaft eben recht jung ist und gut Englisch spricht.

Expressions: The Yellow from the egg?

Expressions (Speaking of Angliszismen): Damit meine ich Idiome und Sprachbilder, die es im Deutschen vielleicht gar nicht gibt. Die Sachen, die man im Englischunterricht als Colloquials gelernt hat (Anmerkung: Die Redewendungen aus dem Englischunterricht benutzt nur wahrscheinlich niemand mehr). Sie sind eine herrliche Quelle für sowohl verzweifelte als auch belustigte Stunden vor dem Bildschirm. Denn was, wenn der gesamte Wortwitz davon abhängt, dass er sie ein „green-eyed monster“ nennt? Der gesamte nachfolgende Witz über die Augenfarbe der Protagonistin ist im deutschen leider passé, denn „green-eyed monster“ bedeutet ja nichts weiter als eifersüchtig (Liora Blake – True Bliss). Ihr versteht, was ich meine, oder? Dann wird man nämlich als Übersetzerin oder eben Lektorin auch noch zur Witzeschreiberin. That’s where the shit hits the fan, meine Lieben (Und ja, es kam schon einmal vor, dass die Scheiße den Ventilator getroffen hat).

The Trouble with Words. Oder wie man eine Übersetzung redigiert.

X(-Factor) = Supertalent – Übersetzungsformeln für Film und Fernsehen

Hier wird es immer dann schwierig, wenn es die Sendung oder den Film nicht im deutschen Fernsehen gab. Wenn dem so ist, dann wird aus Roman Holidays ganz leicht Ein Herz und eine Krone, aber beim Hallmark Channel, wird die Sache schon schwieriger. Bei so spezifischen Programmen ohne deutsches Äquivalent hilft dann oft nur die Vereinfachung, so dass aus dem ganzen Sender dann eben ein Sonntagnachmittags-Film werden muss. Leichter ist es, wenn es nur um ein Konzept geht, da kann dann aus der Antiques Roadshow auch Bares für Rares werden.

Falscher Satzbau – Scheinbar macht’s Sinn, aber tut’s nicht.

Unsere Ohren sind schon so sehr an die englische Sprache gewöhnt, dass es im Eifer des Gefechts oft nicht auffällt, dass „Bist du okay?“ kein deutscher Satz ist. Da wird der Satzbau schlicht aus dem Englischen übernommen. Aber niemand würde das bei uns sagen, oder? Ich jedenfalls würde mich immer mit „Geht’s dir gut?“ nach dem Befinden meines Gegenübers erkundigen. Just saying.

Falsche Freunde: vom Milliardär zum Billionaire

Wieder zurück in die Schule! Wer musste sie nicht rauf und runter beten, falsche Freunde auswendig lernen und durch deren Vermeidung seine Versiertheit beweisen? Es hat sich nichts geändert, denn „mundane“ heißt nun mal nicht „mondän“. Also Augen auf bei der Wortwahl!

 

Diese Fehler sind nicht die Regel, denn professionelle Übersetzer wissen nun mal, was sie da tun. Aber manchmal, nur manchmal, passiert es eben doch. Dann springe ich gerne ein und merke jedes Mal wieder, wie nervenaufreibend, bisweilen frustrierend und komplex es sein kann, zu übersetzen, ohne den Ton und den Stil des Autors zu verfälschen. Aber es ist dennoch eine tolle Abwechslung und am Ende erweitert man dadurch die Vielfältigkeit des Programms ungemein.


 

Über die Autorin

Louisa Pagel ist Lektorin bei den Digitalimprints Midnight und Forever. Zuvor hat sie im Taschenbuchlektorat bei Ullstein gearbeitet.

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