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Erfolgsgeschichten im Self Publishing: Vom selbstverlegten Buch zum etablierten Bestseller-Verlagsautor

Spätestens seit E.L. James mit ihrem im Internet veröffentlichten Roman Fifty Shades of Grey gehörig Staub aufgewirbelt hat, ist Self Publishing im Literaturbetrieb in aller Munde. Warum ist eine Veröffentlichung im Verlag trotzdem das Ziel der meisten Autoren?

Erfolgsgeschichten im Self Publishing

In den USA wird mittlerweile bereits fast jedes zweite Buch im Selbstverlag veröffentlicht und auch in Deutschland ist laut einer BITKOM-Studie eine ähnliche Entwicklung festzustellen. Trotz des großen Erfolgs von Self Publishing wechseln eine Reihe von Autoren, die ihre Bücher anfänglich über Plattformen wie Kindle Direct Publishing (E-Book) oder CreateSpace (Print) selbst auf den Markt gebracht haben, zu Verlagen. Nicht zuletzt aufgrund der professionellen Betreuung, die ein Verlage bieten kann.

So muss sich ein Verlagsautor nicht um Korrektorat oder Cover-Gestaltung kümmern, sondern kann sich ganz auf die Entwicklung seines Romans konzentrieren und den Rat seines Lektors etwa hinsichtlich Dramaturgie oder Heldenentwicklung einholen. Verlage versorgen ihre Autoren zudem mit wertvollen Insider-Informationen aus dem Literaturbetrieb und können aktuelle Trends oder Entwicklungen aus erster Hand weitergeben. In der Regel verfügen Verlage über ein umfangreiches Netzwerk von Autoren, Literaturkritikern, Händlern und Kulturveranstaltern, wodurch Verlagsautoren eine derart umfassende und gezielte Vermarktung genießen, die Self Publishern in den wenigsten Fällen selber leisten können.

Zu den erfolgreichsten Autoren, die es über Self Publishing zu Verlagsverträgen geschafft haben, zählen im englischsprachigen Raum E.L. James, Samantha Young und in Deutschland Emily Bold, Jonas Winner und Nele Neuhaus.

Fifty Shades of Grey: E.L. James landet Self Publishing Bestseller mit BDSM-Romanen

EL James

© Michael Lionstar

E.L. James’ Fifty Shades of Grey gehört wohl zu bekanntesten Self Publishing-Erfolgsgeschichten. Obwohl Fifty Shades of Grey keine Self Publishing-Geschichte im klassischen Sinne darstellt, gilt sie dennoch als außerordentliche Cinderella-Story der Netzliteratur.

Ursprünglich stellte die Autorin ihre kontroverse erotische Fan-Fiction zu Stephenie Meyers Twilight-Serie ab 2009 unter dem Titel Master of the Universe in dem Forum fanfiction.net bereit. Nach Kritik an den geschilderten Sexualpraktiken veröffentlichte E.L. James die Texte dann auf ihrer eigenen Website.

Für die E-Book-Veröffentlichung beim australischen Independent Verlag The Writer’s Coffee Shop teilte die Autorin die Handlung in drei Teile auf, änderte die Namen der Hauptfiguren und nahm die Texte schließlich aus dem Netz. Nachdem die Romane bei den Erstlesern gut ankamen, verbreiteten sie sich rasend schnell über Mundpropaganda und Plattformen wie Goodreads. Verlage wurden auf E.L. James aufmerksam und sie unterschrieb einen Vertrag mit dem Random House Imprint Vintage Books. Dieser konnte die hohe Nachfrage mit Druck und Distribution in einer Auflagenhöhe bedienen, die The Writer’s Coffee Shop zu realisieren unmöglich war. Die Trilogie führte lange Zeit die Bestsellerlisten an und wurde weltweit mehr als 125 Millionen Mal verkauft (Stand Juni 2015). An diese große Resonanz anknüpfend produzierten Universal Pictures und Focus Features den Kinofilm Fifty Shades of Grey.

On Dublin Street: Samantha Young feiert erfolgreichen Einstieg im Romance-Genre

Samantha Young

© Privat

Eine gänzlich andere Erfolgsgeschichte ist die der international erfolgreichen Self Publisherin Samantha Young. Nach dem Studium der alten und mittelalterlichen Geschichte fing sie 2011 mit mäßigem Erfolg an, Fantasy-Jugendromane im Selbstverlag zu veröffentlichen. Im August 2012 versuchte sie sich im Romance-Genre für Erwachsene und landete mit On Dublin Street auf Platz 1 des Amazon US-Kindle Store und auf den Bestsellerlisten der New York Times und USA Today. Innerhalb von sechs Wochen verkaufte sich der Roman über 200.000 Mal. Als daraufhin Verlage auf die junge Autorin aufmerksam wurden, verkaufte Samantha Young die Rechte von On Dublin Street und der noch ungeschriebenen Fortsetzung London Road an New American Library, eine Tochter der Penguin Group. Die Romane wurden in 29 Ländern verkauft. In Deutschland sind sie im Ullstein Verlag erschienen.

Mittlerweile hat Samantha Young 25 Bücher veröffentlicht, teils verlagsbetreut und teils weiterhin im Self Publishing. Ihrer Ansicht nach ist ein professioneller Ansatz notwendig, um sich von der Masse der Self Publisher abzuheben: Ein gutes Lektorat sowie eine ansprechende Covergestaltung mit wirksamer Typografie seien essentiell, um ständig im Bewusstsein der Leser zu bleiben. In Hinblick auf die Vermarktung setze sie zudem auf einen regen Austausch mit Bloggern, anderen Indie-Autoren und den Lesern.

Self Publisher haben es nicht nur in englischsprachigen Ländern zu Verlagsverträgen gebracht. Dass es auch hierzulande geht, beweisen drei sehr erfolgreiche deutsche Autoren.

Emily Bold: Kindle Direct Publishing als Sprungbrett in die Bestsellerliste

Emily Bold

© Guido Karp für p41d

Zu den erfolgreichsten deutschen Self Publishern gehört die Romance-Autorin Emily Bold. Ihre historischen Liebesromane richten sich an Jugendliche sowie Erwachsene. Ursprünglich schrieb Emily Bold nur für die Schublade, doch eine Lektorin entdeckte zufällig einen Fehldruck ihres Debütromans und riet ihr zur Publikation. Für Gefährliche Intrigen fand Emily Bold zunächst keinen Verlag, da der Markt in dem Genre bereits von US-Autoren gesättigt war. Die Verlage waren folglich nicht an einem Investment in eine Debütantin interessiert. 2011 entschied sie sich für die E-Book-Veröffentlichung über Amazons Kindle Direct Publishing und landete sogleich in der Amazon Kindle Top 20 Bestsellerliste der Romance-Kategorie.

Die ehemalige Chemielaborantin ist inzwischen hauptberuflich Autorin und hat seitdem 20 Romane veröffentlicht. Emily Bold bedient alle gängigen E-Book-Kanäle und verkauft größtenteils über Amazon und Weltbild. In einem Interview verrät die Autorin, dass sie alles selbst mache, angefangen beim Korrektorat über Satz und Cover-Gestaltung bis hin zum Marketing. Lediglich das Lektorat, sagt sie, gebe sie aus den Händen. Hier müsse man investieren, denn die heutige Leserschaft verzeihe einem keine Fehler.

Trotz ihres Erfolges als Selbstverlegerin arbeitet sie auch mit Verlagen zusammen. Im Ullstein Verlag ist ihr Roman Lichtblaue Sommernächte als Taschenbuch erhältlich und der Ullstein-Imprint Forever bietet Ein Kuss in den Highlands als E-Book an. 2013 hat Emily Bold die englischsprachigen Rechte ihrer The Curse-Bände an Amazon verkauft. Die englischen Übersetzungen werden von Amazon Crossing als E-Book und Printausgabe angeboten.

Jonas Winner: Verkaufsrekord mit E-Books zu Cent-Preisen

Dr. Jonas Winner

© Privat

Das Interesse von Amazon Crossing weckte auch unlängst der in Deutschland überaus erfolgreiche Self-Publishing-Autor Jonas Winner. Der promovierte Philosoph ist eine Größe in der deutschen Self-Publishing-Szene. 2011 begann er mit der Publikation seiner siebenteiligen Thriller-Reihe Berlin Gothic via Amazons Kindle Direct Publishing. Das verlagsunabhängige Publizieren biete ihm die komplette Freiheit in Hinblick auf den Verkaufspreis, sagt Winner in einem TAZ-Interview. Es sei ihm nicht darum gegangen, 2.000 oder 3.000 Bücher zu verkaufen. Er habe gewollt, dass es knalle, und setzte den Verkaufspreis seiner Berlin Gothic-Romane daher auf 99 Cent an. Der Erfolg gab ihm Recht: Innerhalb von zehn Monaten verkaufte Jonas Winner als erster Kindle Direct Publishing Autor mehr als 100.000 E-Books über Amazon.de.

Daraufhin wurden auch Verlage auf ihn aufmerksam. Neben der Berlin Gothic-Reihe sind seine Romane Die Zelle, Das Gedankenexperiment und Der Architekt inzwischen beim Verlag Droemer Knaur als Print erhältlich. 2013 hat Amazon Crossing außerdem eine englischsprachige Übersetzung der Berlin Gothic-Reihe als E-Book und Print herausgegeben.

Nele Neuhaus: Books on Demand aus der Fleischfabrik

Nele Löwenberg

© Felix Brüggemann

Zu den bekanntesten Self-Publishing-Autoren zählt auch Nele Neuhaus, eine der erfolgreichsten Krimiautoren in Deutschland. Für ihren Debütroman Unter Haien, der von einer New Yorker Investmentbänkerin handelt, fand Nele Neuhaus zunächst keinen Verlag. Nach vielen Absagen entschied sie sich 2005 für die Veröffentlichung auf eigene Faust und ließ den Roman in einer Auflage von 500 Exemplaren bei dem Book on Demand-Dienst der Verlagsgruppe Monsenstein & Vannerdat drucken. Um ihr Buch zu promoten, organisierte sie Lesungen und nahm Kontakt zu lokalen Buchhändlern auf. Auch die Fleischfabrik ihres Mannes nutze Nele Neuhaus für ihr Literaturmarketing. Dort verkaufte sie neben Würstchen auch Exemplare von Unter Haien. Die Auflage wurde in wenigen Tagen ausverkauft und Nele Neuhaus ließ weitere Exemplare drucken.

An diesen überraschenden Erfolg anknüpfend begann Nele Neuhaus mit der im Taunus verorteten Krimireihe rund um die beiden Ermittler Bodenstein und Kirchhoff. Nach zwei auf diese Weise veröffentlichten Titeln wurde der Ullstein-Verlag 2008 auf Nele Neuhaus aufmerksam und nahm sie unter Vertrag.

Mit dem vierten Teil der Bodenstein & Kirchhoff-Reihe Schneewittchen muss sterben landete sie 2010 innerhalb kürzester Zeit auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste für Taschenbücher und ihr gelang der internationale Durchbruch. Die inzwischen siebenteilige Taunuskrimi-Reihe erreichte in Deutschland eine Gesamtauflage von über 5 Millionen Exemplaren und die Rechte verkauften sich in 20 Länder – unter anderem Italien, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Holland, Korea, Russland, Brasilien, Polen, China, Tschechien, Kroatien, Griechenland und die USA.

Unter ihrem Mädchennamen Nele Löwenberg veröffentlicht sie zudem Romane abseits des Krimi-Genres.

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Kommentare (2)

Buch veröffentlichen - In einem Verlag oder als Selfpublishing? schrieb am 18.01.2017 um 23:59Uhr:

[…] sich durch das Selfpublishing eine große Leserschaft zu erschließen. Durch ihre Erfolge werden Verlage auf sie aufmerksam und nehmen sie unter […]

Kann ich mit meinem Hobby als Freelancer reich werden? - SLYCED.de - Online Magazin & Blog schrieb am 11.06.2017 um 10:14Uhr:

[…] der Verkaufscharts, die längst die Millionenmarke geknackt haben. In den USA soll bereits beinahe jedes zweite Buch ein Selbstpublisher-Produkt sein, Deutschland befindet sich auf einem ganz ähnlichen Weg. Einer der ganz großen Namen dieser […]

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