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Der deutsche Regionalkrimi

Eine Auslage im Buchhandel: auf dem Cover ein Straßenzug, im Titel der Name einer Stadt. Ein Reiseführer? Nicht ganz: denn obwohl hier eine Stadt, eine Region oder ein Landstrich im Fokus stehen, passiert in diesem Buch noch sehr viel mehr … Was interessierte LeserInnen erwartet, ist ein seit fast dreißig Jahren erfolgreiches Genre: der Regionalkrimi!

Der deutsche Regiokrimi

Was genau ist ein Regionalkrimi?

Wie der Name schon verrät, unterscheidet sich der Regionalkrimi von herkömmlichen Thrillern darin, dass er sich auf eine ganz bestimmte Region festlegt: Die Handlung spielt an einem tatsächlich existierenden Ort, der nicht nur die Kulisse, sondern das Fundament der Handlung bildet. Mit korrekten Straßennamen, kulinarischen Besonderheiten und ungeschönten Dialekten ist inzwischen fast jede Region des deutschsprachigen Raums bereits zum Tatort zwischen Buchdeckeln geworden. Die Handlungsorte beschränken sich jedoch bei weitem nicht auf Deutschland, Österreich oder die Schweiz: Auch andere europäische Länder werden Schauplätze.

Meistens werden Regionalkrimis von Verlagen als Serie angelegt. Das Lesepublikum, das Gefallen an einem bestimmten Lokalkolorit gefunden hat, kann auf diese Art die HeldInnen aus der Eifel, aus Bayern oder der Sächsischen Schweiz von einem Abenteuer zum nächsten begleiten.

Boom eines Genres

Als erster Regionalkrimi Deutschlands gilt „Tödlicher Klüngel” von Christoph Gottwald. Der gebürtige Kölner schuf im Jahr 1984 mit seinem Werk nicht nur den ersten Band der Köln-Krimi-Reihe des Emons-Verlages, sondern stieß eine deutschlandweite, nahezu epidemische Produktion ähnlicher Formate an. Auf Gottwalds lebensuntauglichen Detektiv Manni Thielen folgten nicht nur Hunderte, sondern Tausende weitere Hobby-ErmittlerInnen, KommissarInnen, PolizistInnen und andere Gestalten, die in lokale Settings hineingeschrieben wurden.

Der Regionalkrimi boomt, 2012 griffen einer Berechnung des Marktforschungsinstituts GfK zufolge 3,2 Millionen Deutsche in den Buchhandlungen zu. Doch das beliebte Genre wird nicht ausschließlich auf Papier genossen: Fernsehprogramm tauchen regelmäßig Verfilmungen der Krimis auf.

Warum ist das Genre so beliebt?

Was Menschen am Regionalkrimi zu begeistern scheint, ist vor allem der Wiedererkennungswert von Umgebungen, die aus dem eigenen Leben bekannt sind: Wer im Taunus wohnt, greift vermehrt zur Ullstein-Autorin Nele Neuhaus und deren Taunus-Krimis ; und wer gerne an der Ostsee urlaubt, legt sich bevorzugt mit Anna Johannsens „Inselkommissarin“ oder Katharina Peters „Ostsee-Krimis“ an den Strand. Die heile, vertraute Welt, für die früher Heimatromane zuständig waren, wird heute in Regionalkrimis aufrechterhalten. Denn wenngleich die meisten LeserInnen mit einem wohligen Schaudern in die persönlichen Abgründe der Figuren schauen – oder in den fiktiven Nachbargarten – werden am Ende des Regionalkrimis die Fälle gelöst, die Mörder gefunden und die Ordnung wiederhergestellt.

Der deutsche Regiokrimi

Die Vielfalt des Regionalkrimis

Bei Regionalkrimis gilt also: Ende gut, alles gut! Doch Krimi ist nicht gleich Krimi. Die Provinz-Krimis der Regensburger Schriftstellerin Andrea Maria Schenkel beruhen auf wahren Kriminalfällen und haben eine düstere Stimmung, Rita Falks bayrische Krimis entfalten durch die Hauptfigur des suspendierten Polizisten Franz Eberhofer ein komisch-gemütliches Flair, und Midnight-Autorin Sandra Aslunds Kommissarin Hannah Richter ermittelt nicht nur mutig und manchmal unfreiwillig in der Provence, sondern zeigt auch, dass das Genre nicht an Deutschlands Grenzen gebunden ist.

Werden Regionalkrimis verfilmt, treten stilistische Unterschiede manchmal noch deutlicher hervor. Michael Kobrs und Volker Klüpfls Kommissar Kluftinger und Jörg Maurers Kommissar Jennerwein ermitteln beide in Bayern. In den Buchverfilmungen ähneln sich zwar die Landschaftsaufnahmen, doch dass Kluftingers verschrobene Persönlichkeit eine ganz andere Dynamik entstehen lässt als der Charakter des manchmal arroganten Jennerwein, erkennen auch Krimi-Neulinge sofort.

Tipps für den eigenen Regionalkrimi

Wenn du als AutorIn in dem mittlerweile hart umkämpften Genre Fuß fassen möchtest, haben wir ein paar Tipps für dich, die dir den Einstieg erleichtern können.

Um neben den zahlreichen bereits verlegten Regionalkrimis bestehen zu können, reicht es nicht mehr, lokale Besonderheiten hervorzuheben. Klischee, Klamauk und stilisierte Detektivfiguren können ebenso wenig Neues zum Genre beitragen. Eine gute Beobachtungsgabe und eine sinnvolle Verflechtung von Ort und Plot jedoch haben das Potenzial, dem Regionalkrimi eine Perspektive zu geben, die frischen Wind in lokale Mordfälle bringen kann. Bisherige Verkaufszahlen zeigen außerdem, dass es sich lohnt, Regionen auszuwählen, die LeserInnen mit Positivem assoziieren. An Urlaubs- oder Sehnsuchtsorten angesiedelte Krimis sind beliebt. Vergiss aber nicht, dass du die Orte, über die du schreibst, gut kennen solltest.

Auch wenn du alle Tipps befolgst, ist die Konkurrenz groß. Doch versuch’s einfach und wende dich an uns, wenn du ein Manuskript veröffentlichen möchtest! Der Erfolg unserer Midnight-AutorInnen spricht für sich und Deutschland hat viele Regionen und noch mehr spannende Geschichten zu bieten …

Der deutsche Regiokrimi

Checkliste für Regionalkrimi-AutorInnen

  • Achte auf die korrekte Beschreibung lokaler Feste, Geografika und belegbarer historischer Sachverhalte.
  • Ort und Plot sollten gut miteinander harmonieren.
  • Besuche Archive, Heimatmuseen, lokale Webseiten und Bibliotheken, um dich zu informieren.
  • Setze auf das Wissen von Einheimischen! Sie haben sicher viel Spannendes und Inspirierendes zu erzählen …
  • Informiere dich über potenzielle „Krimi-Konkurrenz“: Kannst du dich hier abgrenzen? Wo kannst du neue Sichtweisen und Figuren erschaffen?
  • Achte auf Details und eine motivierte Handlung. Ein Krimi ist wie ein Schachspiel, die Züge sollten vorbereitet und durchdacht sein.
  • Informiere dich über die regionale Mundart. Kannst du sie einsetzen?
  • Nähere dich dem Genre doch einfach mal spielerisch und versuche zu erraten, aus welchen Regionen Deutschlands es noch keine Regionalkrimis gibt. Ob du richtig geraten hast, kannst du auf Seiten wie Regiokrimi und Zeit Online herausfinden .

Quellen
https://www.tagesspiegel.de/kultur/erfolg-der-regionalkrimis-mord-vor-ort/8893314.html
https://magazin.audible.de/hier-spielen-die-beliebtesten-regionalkrimis/
https://www.abendblatt.de/kultur-live/buecher/article207228775/Blutig-und-erfolgreich-Deutsche-Lokalkrimis-boomen.html
https://derstandard.at/2000076265245/Oesterreichischer-Buchmarkt-Regionalkrimi-boomt
https://www.tagesspiegel.de/kultur/regionalkrimis-jedem-kaff-sein-krimi/14470162.html
https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.regionalkrimis-im-fernsehen-mord-in-jedem-winkel.e7aeb916-47ec-42f1-a0d0-871f4349ec61.html
https://www.regiokrimi.de/baden-krimis.php
https://www.zeit.de/2013/03/Deutschlandkarte-Regionalkrimis
www.regiokrimi.de
https://midnight.ullstein.de/ebook/toedliche-provence/
https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/eine-unbeliebte-frau-ein-bodenstein-kirchhoff-krimi-1-9783548287416.html

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